28. Dezember 2010


bin jip

wohin mit allem
was in liebe nicht geht
mit allem ungewollten ungemeinten
unglück im spiel?

in liebe und sühne, in ein arabisches
liebeslied
das schmermütig fleht
wehr dich, flieg, flieh
als traum wirst du leben



21. Dezember 2010


letzter mond

enten riefen noch im glitzernden blau
es klang seltsam ersterbend im kurzen tag
da stieg er schon auf
und ward voll, bereit
das dunkel zu geleiten durch die nacht der nacht

am frühen morgen im tiefen schnee
die spur eines rehs
zum leeren futterhaus
den kleinen vögeln zugedacht



18. Dezember 2010


so hell

immer mehr reste bleiben liegen, für die sich kein zusammenhang findet.
zu allem gehört so viel kraft, aber für mich muß ich wenigstens nicht sammeln.
man kann sich natürlich noch einbilden, man sei auf einem weg.
aber das ist man nicht.
eine illusion leuchtet auf, dauert vielleicht ein wenig, erlischt.
das ist man.
die schneemassen entmutigen mich. so hell. wozu auch.
sanft fallend schließt sich die welt ab von der welt.
was war, ist nun unhörbar. was ist, auch.
das negativ davon zu betrachten, hilft nicht.
da ist immer noch viel zu viel im bild, was weiterhin erscheint.
man will zum beispiel nicht, daß die zimmerpalme stirbt.
auch so ein zusammenhang.
vielleicht sind sie schuldigkeiten, aber was sind schuldigkeiten?



11. Dezember 2010


mondschein und neuschnee

bleich

gehst du einsam
in deiner dunklen unendlichkeit
die welt so still und offen

in kleinen flatternden strophen
wirst du zu einem andern gedicht

trägst dein angesicht



7. Dezember 2010


bei mir

einst blicke ich auf von meinem buch
seh mich ungläubig um in dieser höhle
ausgekleidet von oben bis unten
wie die gepolsterte isolierzelle
eines gewöhnlichen irrenhauses
für die tobsüchtigen - danke, mir gehts gut
seh euch alle wieder, wie ihr mich umstellt
meine bücher, endlose weite welt
denn ich bin zwar in euch und ihr seid in mir
aber das ist es ja gerade
nach so vielen jahren, so vielem lesen
im selben raum:
ihr seid fast alles und ich bin kaum



3. Dezember 2010


pause

zu weit weg
nach all dem ringen um abstand
und den krachenden entladungen
wenn beide wieder drohen
ineinander zu stürzen
die wenigen worte dann
die viel kosten
aber eins sucht immer das andere
und ich denke so oft
wie absurd wir sind



29. November 2010


der fliegende holländer

erfaßt von keiner
bilanz
unangemeldet
beim meldeamt
bekannt und nicht
weil ich dich lesen kann
weil einfache dinge
unerklärlich
mitgenommen
und nur wellen
stranden -
bleib auf dem posten
da du einen gefunden

kann mich nicht erinnern
wie es weiterging
in den zeiten, die kommen



23. November 2010


per-sonare

da suchst du also, suchst in dir
als ein schaffendes ich zu schaffen
suchst und suchst dich
halb zu schanden

bis du mit einem mal erwachst
und weißt, du bist nichts
als dies eine gedicht
das zu schreiben dir aufgegeben
und das du niemals schreiben wirst

weil es deine hülle durchklingt
wenn du nicht vorhanden



22. November 2010


matsch

bestimmt vergingen mehrere minuten, bis sie einsah, daß sie nicht sah.
sie hatte, wie gewohnt, diese zeichen vor sich, aber es konnte damit zu tun haben, daß es schon den ganzen tag so schwer und naß schneite.
also dachte sie an gummistiefel. bildlich.
groß hatte sich am leben nichts geändert, seit sie zuletzt hingeguckt hatte.
alles war wohl weiter gegangen und geworden und hatte sie mitgenommen, dafür gab es beweise, das hatte doch jemand genau ausgerechnet.
was sie selbst dachte, tat nichts zur sache. sie fühlte sich nicht ganz an der selben stelle und wollte lieber die augen schließen. mechanisch.
daran hinderten sie die zeichen, sie besagten nämlich etwas, aber wem?
und wenn man das nicht wußte, wie sollte man wissen, was?
dunkel wurde es, wie ein erdrutsch wegen durchweichten bodens abgeht.
aber die gummistiefel standen bereit. man konnte im zweifelfall losstapfen. oder vielleicht war nur der kopf ins rutschen geraten, was mit dem wetter zu tun haben konnte - schwierig zu entscheiden, was am ende vorzuziehen war. stand das haus noch? - wie war in gedachten schlammassen zu denken?



12. November 2010


novembernacht

draußen fährt ein sturm. drinnen mit sich.
viel bleibt im stummen.
einmal las ich, daß humphrey bogart sein leben lang
an quälender antriebslosigkeit litt.
ja.
mit welcher selbstverständlichkeit sie alle schon tot sind.
das schwatzen aus dem radio nimmt mich ein wenig weg von mir.
für eine kleine weile.

hör auf mich, mit so großen augen kommst du nicht durchs leben.


6. November 2010


ledsnaden

die falle hat zugeschnappt
fast geräuschlos
ein leichtes schnappen
jahre
die in einem zeichen standen
dem des wartens
das warten ist vorüber
ich blicke ihm nach
bleibe zurück
warte auf ein zeichen


4. November 2010


nichts zu sehen

nichts zu sehen
es dunkelt schon
an den scheiben rollt weiter
der regen herab
ein paar bäume schütteln sich
verschwommen
als wollten sie sich los sein
blätter fliegen
und nichts ist zu hören
von hinter den scheiben
auch von davor nicht
denn nichts ist an
und nichts ist zu sehen
wie gesagt



2. November 2010


was auf mich zutrifft

ich bin bei den menschen
zu besuch
wir sind uns fremd
und nah

reich mir die hand. es ist die hand
die mir alles
in allem
und doch nicht
erreichbar



20. Oktober 2010


wald

sich leuchten im dunkeln, es ist die zeit
des laternelaufens, von mond und sternen
in der tiefen nacht hinter wolkenhaufen
wir folgen dem licht und reden nicht viel
einhalt vom ewigen halb krieg halb spiel
im haus sind die uhren zurückgeblieben
zeit absondernd nach ihrer gewohnheit
doch hier draußen - still, nicht wirklich wirklich
wenn ein lichterpunkt den weg eines andern kreuzt
einmal ohne ziel



18. Oktober 2010



das zeichen – endlich
laß alle blätter fallen
geh hinein in dich



17. Oktober 2010



aus welcher luft
bist du gegriffen

mit welchem recht
ist dir dies angetan

woher nehmen
was auch mich nähme
an
hin

bist du
du

bist du noch
in unserer geschichte



10. Oktober 2010


atemlos

wie erzähle ich das nun wieder –
sagte, tu mir den gefallen, geh
davon aus, daß es mich nicht mehr gibt,
und schuf sich im selben augenblick



5. Oktober 2010


dem wind

ich bin ein segel
löcherig
notdürftig geflickt
das sich manchmal füllt
wenn der wind weht
viel fahrt ist nicht
herauszuholen
armes bild
wenn auch aufblasbar
um geringe versuche
ist es zu tun
weiter warten
sei nicht hart
sag du mir von mir
ich kann mich nicht sagen
das meiste ist luft
geht durch mich hindurch
sei mir gut
denn ich bin ein segel
doch auch der wind



29. September 2010


irritationen

wie ein blatt auf den lüften
zu boden kreiselt -
leises bewegen, das nicht weiß
was es bewegt

wie auf einmal ein vogelherz da ist
wo das blatt war
zu pochen beginnt, unbekannt, wie
stehen bleibt -

ob es einen zusammenhang gibt
wessen wir eigentlich rechnung tragen



23. September 2010


september

so schwebt die waage -
dann geht die sonne unter
und der mond geht auf